Griff in die Schüssel

12:16 am

Kein Trostpflaster

Vorweg der Versuch eines versöhnlichen Kommentars: es ist durchweg löblich, dass man nach Jahrzehnten einmal auf’s neue die Gestaltung der Hafenanlage überdacht hatte. Meine Wertung des Ergebnisses am Ende aber: gründlich misslungen. Wieder einmal scheint ein Baustoffhändler ausschlaggebend gewesen zu sein für die Wahl der stilgebenden Mittel. Es wirkt gleichsam, als hätte man einen Betonbauer mit der Gestaltung einer Rasenanlage beauftragt: bemerkenswert suboptimal. Am Ende ist der beklemmende Charme einer Tiefgarage herausgekommen. Statt eines geordneten Rückbaus der ungenutzten Flächen, statt einer aufgebrochenen Gestaltung als Grantplatz mit Pflasteranteilen nackte, abweisende Grauflächen, die nur erträglich werden, wenn der Polenmarkt (“Fischmarkt”) mit Buden alle Wochen einmal die Brache nutzt. Stein für Stein mag das verwendete Material ja nicht hässlich, vielleicht sogar “relativ interessant” sein. Nicht aber in der Gänze des Platzes.

Grant und Pflaster zusammen mit fünf mittelgroßen Bäumen wären hier bestimmt das stilsichere Bindeglied zwischen der Altstadt und dem Hafen, den beiden großen Pfunden also, mit dem das touristische Eckernförde wuchern könnte, gewesen. Wären. Verschämt stehen stattdessen einige missglückte “kreativ sein wollende Sitzgelegenheiten” auf der “Startbahn Mitte” herum, kein Baum, nichts Stimmungsvolles bricht diese moderne Sterilität auf. Es ist Steinzeit. Allein die Reproduktion des alten Kiosk thront etwas verloren und kaschierend auf halber Strecke. Folgt all das dem Leitbild der Stadt? Wenn ja, dann schmeißt das Leitbild über den Knick! Wenn nicht, wie kann das passieren? Und: Wie macht man jetzt aus einer Tiefgarage eine “romantische Waterkant”? Ich denke, da sollte man sich mit der gebotenen Ruhe einige Gedanken ganz von vorn machen. Gefühlt könnte ein gutes Drittel der Steinwüste wieder raus (mqs).

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