Geld fressen Altstadt: Nachtigallens Rökerhus
Januar 13, 2008 11:14 pm
Die beiden Gebäude der ehemaligen Nachtigall’schen Räucherei in der Reeperbahn sind zwei architektonische Sahnestücke der Eckernförder Altstadt. So wie sie dort stehen, sind sie authentische Zeugen einer lebendigen Vergangenheit. Zeugen wie diese sind es, die den Charme der Eckernförder Altstadt überhaupt ausmachen. Sie sind das Kapital der Stadt.
Ich war begeistert, als ich hörte, Nagelhaus und Speicher der Nachtigall’schen Räucherei würden endlich angefasst und genutzt. Ich war angetan, als ich hörte, dort sollten Wohnungen entstehen. Ich war endlos traurig, als ich las, dass sich das Bewahren des Kulturdenkmals allein auf die Fassade beschränken sollte und dass im Inneren nichts mehr vom eigentlichen Charme zu spüren sein sollte. Ich war entsetzt, als ich in der Skizze sah, dass das Eckhaus zum Bredenbecksgang im Schwarzwaldstübl-Erker-Stil neu erstehen sollte. Dieser Wohnriegel entstellt aus meiner Sicht das ganze Ensemble. Hier pflanzen sich die Bausünden im Fischergang der 80er Jahre ungeniert fort.
Warum nicht etwas interessantere, zeitgemäße, ja zeitlose Architektur? Etwas mehr Stil muss nicht mehr kosten. Und es erspart uns: eine Verlangweilung einer an sich liebenswerten Stadt. Von “Räuchereiquartier” kann nach dem Kahlschlag wohl leider nicht mehr die Rede sein. Schade, denn auf seiner Website wirbt der Bauherr mit schönen Häusern und nachhaltiger Philosophie. Das löst er hier wohl nicht ein. Abrisstermin: nächste Sturmflut (mqs/Foto: Ausschnitt Websitescreenshot).

