Der schiefe Pies von Turma
Dezember 28, 2007 2:10 am
Das schönste, was einer zu Lebzeiten fragwürdigen Gestaltung widerfahren kann ist dasjenige Schicksal, irgendwann einfach nicht mehr wahrgenommen zu werden. Nun weiß ich nicht, ob es der Gewöhnung an sich, der Übersättigung an seltsamen Sinneseindrücken als solcher oder aber meiner doch spürbar nachlassenden Pupertät zu schulden ist, dass ich nicht mehr das sehe, was sich damals in mir aufbaute: das schräge Bild eines schrägen Fallus’. Was dachte sich der Künstler? Ich vermute, hier spielten dann doch eher Gefühle eine Rolle bei der Formfindung. Oder hat sich der Schöpfer am Ende dem Träumen ergeben? In diesem Fall denen von einem Born, einem sprudelnden, einem ewig feuchten.
Nun will ich mir gerne die Blöße geben, dass ich mich an Schöpfer und Umstände der Errichtung nicht mehr recht erinnern kann. Ich glaube, er wurde damals einfach zornig vom Himmel geschleudert und steckte eines grauen Morgens knapp neben dem zuvor im Stil der norddeutschen Backstein-Komik errichteten Bürgermeister-Palais. Nun kann man hier in dieser Hinsicht von “knappem Glück” reden, vielleicht ist es aber auch Fügung gewesen, spannt doch dieser sprudelnde Pfahl im Fleische des ehrwürdigen Rathausplatzes einen durchaus stilistischen Bogen zu eben diesem Rathaus-Neubau. Obschon in der Platz-Noor-Achse noch stimmig, kontrastiert er doch deutlich zu allen anderen Gebäuden in alle anderen Richtungen. Das würde noch deutlicher, hätte er die seiner Form angemesse Farbe: Fleischfarben-rosa (mqs).

