Autobahn durch Eckernförde: Bloß schnell durch und weiter
Februar 16, 2008 1:16 pmAuf den Seiten der Eckernförder Zeitung findet sich nichts zum Thema, die Kieler Nachrichten scheuen sich derweil weniger, das heiße Eisen “Autobahn durchs Noor” auch auf die öffentlichen Seiten ihres Internet-Portals zu stellen. Wenn auch mit einem unnötigen Seitenhieb darauf, das Thema habe künstlich etwas mit dem nahenden Kommunalwahlkampf zu tun. Nur so viel, wie Demokratie selbst mit Wahlkampf zu tun hat.
Drei statt vier Spuren, will der Vorschlag der Grünen zum strittigen Thema sein. Nun ist noch lange nicht raus, ob Carlshöhe und/oder Port Olpenitz floppen oder einschlagen und im stillen Planungsgehorsam will Eckernförde seine “süße Seite”, die ohnehin mit der Bundesstraße nicht unbedingt schöner geworden ist, noch weiter asphaltieren. Klar, die schönste Lösung wäre, wie sie es in Dresden gewesen wäre, den ganzen Verkehr unter die Erde zu legen, oder, wie im Artikel in der KN erwähnt, eine Umgehung über Westerthal zu nehmen. Warum eigentlich nicht? Diese 5 Minuten Umweg sind kein Vergleich zu dem, was man an einmaliger Natur hier verliert.
Wieviel externer Verkehr von der Autobahn wird denn für Carlshöhe wirklich erwartet? Carlshöhe wird ja nun kein Freizeitpark mit hunderttausenden Besuchern am Tag. Genausowenig wie Port Olpenitz. Solange hier nicht konkret feststeht, was aus den beiden Projektgespinsten überhaupt wird und wieviele Besucher sie über die Autobahn anziehen, sollte man vielleicht erstmal die vernünftige Zuleitung über Windebyer Weg oder Diestelkamp und Westerthal wählen. Wahrscheinlich wären hier entsprechende bauliche Maßnahmen weitaus günstiger zu realisieren (mqs).


oliver.fink :
Date: Februar 19, 2008 @ 16:00
Die Anwohner des Diestelkamps werden ob solcher Vorschläge mit Sicherheit vor Begeisterung glühen, nachdem sie gerade erst die Anbindung des Baugebiet Schiefkoppel über ihre verkehrlich heute schon überlastete Straße mit Müh’ und Not abwenden konnten…
Ansonsten bin ich – ohne die vorgebrachten Argumente gegen den Ausbau verkennen zu wollen – einigermaßen überrascht, dass das Thema genau jetzt hoch kocht. Immerhin wird der Ausbau der B76 seit Ende der 70er-Jahre betrieben, es hat unendlich lange gebraucht, um diesen überhaupt in den Verkehrswegeplan des Bundes aufzunehmen. Und jetzt, wo die Mittel da sind, fällt auf, dass der Ausbau nicht gewünscht ist. Na, toll!
Weiterhin ist seit Jahren die Grundlage des Verkehrskonzeptes für die Innenstadt der Ausbau der B76, weil dorthin nämlich der Verkehr beispielsweise aus der Reeperbahn verlagert werden soll. Und dieses Verkehrskonzept wurde – soweit ich mich erinnern kann – in der Vergangenheit von allen Parteien der Ratsversammlung mitgetragen. Wer das also nicht (mehr?) will, muss den Anwohnern der Reeperbahn bitte auch deutlich sagen, dass er dafür ist, dass steigende Verkehrsmengen dann künftig eben “durch deren Wohnzimmer” fahren und wir den Verkehr nicht aus der Innenstadt heraus bekommen.
Einige Sätze zu einer Umgehung Eckernfördes: In den 70ern fand diese Umgehung keine Mehrheit. Mittlerweile ist die damalige Trasse vermutlich allein aus umweltrechtlichen Gründen nicht mehr realisierbar. Auch müsste eine solche Umgehung erst wieder in den Verkehrswegeplan aufgenommen werden. Weiterhin müsste man sich mit Gemeinden abstimmen, die zu Gunsten Eckernfördes (und ihrem Nachteil) Verkehr auf ihr Gebiet nehmen müssten. Insgesamt rechnet man hier vernünftigerweise mit 20-30 Jahren für eine Umsetzung. Vorausgesetzt, die Fehmarn-Belt-Querung kommt nicht. Diese würde absehbar das Geld für Verkehrsprojekte in Schleswig-Holstein für lange Zeit wie ein Schwamm aufsaugen.
Dass die Verkehrsmenge auch ohne Port Olpenitz absehbar steigen wird, ist aufgrund weiterer Projekte unter anderem in Damp, Kappeln und Schleswig aber auch schlicht aufgrund des immer weiter zunehmenden Individualverkehrs absehbar. Man kann diese Entwicklung natürlich ganz einfach ignorieren und hoffen, dass es so schlimm schon nicht kommen wird.
Eckernförde sehe ich in der Wahlmöglichkeit zwischen Pest und Cholera. Das ist lange bekannt und wieso das genau 2008 ein Thema wird, erschließt sich mir nicht wirklich. Im Moment erscheint mir die Cholera (Ausbau der B76) als das kleinere Übel. Vielleicht finden sich aber noch genügend Argumente, mich von der Pest (kein Ausbau) zu überzeugen. An Wunderheilung (angemessen zeitnahe Realisierung einer Umgehung) glaube ich jedenfalls nicht.